Und dann..

Ich möchte nicht sprechen, denn die Worte haben, wenn sie meine Lippen öffnen, viel zu schroffe Wände.
Und die Nacht ist kalt.
Und mein Mund ist trocken.
Manchmal glaube ich, wir können unsere Stimmen hören.
Dann halten wir inne und der Norden liegt schwer auf unseren Ohren.
Und ich kann Töne hören, die aus der Ferne kommen.
Und in der Nähe kann ich deine Rauchwolken schweben sehen.
Und ich möchte nicht sprechen.
Und ich möchte nicht gehen.
Dann, plötzlich, bist du.
Und dann sprechen wir.
Und dann gehen wir.
Und lauschen dem Lied der Sehnsucht.

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Das Ende des Sommers

In deiner erfüllten Wehmut kommt dir manchmal ein Gedanke. Dann sitzt du still schweigend da und hältst den Atem an, der in deinen Lungen spannt und stirbt. Mit der Luft weicht auch der Sommer aus dir, fürchtest du.

Scherben

Tage und Nächte lang hast du dich frei gefühlt.
Du hast gelacht, du hast geträumt. Du hast geglaubt, jeder nächste Schritt könnte dich zu einem Wunder führen. So kostbar und zerbrechlich, dass du in der fahrigen Unachtsamkeit deiner Begeisterung nur Scherben unter deinen Füßen fandest.
Und dein Herz wurde schwer, die nackten Solen ein Kunstwerk aus Purpur.

Leben

Wir tanzen, und der Wind umhüllt unsere Kleider, fährt mit samtenem Geflüster über unsere Gesichter und spielt mit unserem Haar. Wir schließen die Augen und lauschen, denn das Leben lacht wie ein Kind.

Fernweh

Fernweh

Du schnappst nach Luft wie ein Ertrinkender, schmeckst stickig, staubig, enge Leere und wünschst es wäre Seeluft, die deine Lungen füllt. Und wenn du die Augen schließt, denkst du an weit entfernte Orte. Doch bist noch immer hier, in diesen vier Wänden. Du sagst, wo dich die Zeit vergisst, dort möchtest du sein, und bald musst du gehn, denn hier läuft sie dir davon. Im Lauf der Sonne willst du lesen, wie in einem Buch, du möchtest gehen, auf unentdeckten Wegen, ohne Ende, ohne Ziel. Du sagst: Ein Ziel lässt dich den Weg vergessen, doch der Weg hält Ziele offen, bis du sie unwissend erreichst, und bleibst, bis du weiter musst. Trotzdem bist du noch hier. Bist mit dem Blick, mit dem Herzen und dem stumpfen Bleistift in deiner Hand längst durch das Papier in deinem Skizzenblock gedrungen. Und bist noch immer hier, in diesen vier Wänden. Langsam, von Sehnsucht ganz schwer, dreht sich dein Kopf. Du blickst einem Vogel nach und wünschst, dir würden Flügel wachsen. Flügel. Rastlos, stets belastet, so wie du. Wünschst, du könntest fliegen. Du sagst, du musst hier raus doch du kennst zu viele Gründe, die dich halten. Du beklagst dich, dass sie dir den Weg versperren, doch insgeheim bist du froh, dass dich etwas hält, bist froh über den Aufschub und denkst dir: Irgendwann, irgendwann werde ich gehen. Also sitzt du, anstatt sie aus dem Weg zu räumen eingesperrt in deinem kleinen Zimmer, mit den vier Wänden und träumst von weit entfernten Orten. Denkst dir: Irgendwann. Du hörst Musik, die dich fort trägt, und bist doch froh mit den Füßen am Boden zu stehen. Nur mit den Gedanken willst du immer weiter hinaus. Willst höher fliegen, schneller laufen, weiter sehen. Und dein Herz ist zerrissen. Manchmal, manchmal stürzt du, überstürzt. Willst fort, sofort. Und reißt dich los, grenzenlos. Du stolperst, stolperst über deinen Schatten, der sich, noch nicht bereit zum Aufbruch, an dein zu Hause klammert. Du fällst hin, schreist: „Hier bin ich nicht zu Hause!“ und weißt, das ist gelogen. Du sagst leise: „Ich bin bereit.“ und weißt, das ist gelogen. Dann schließt du die Augen, denkst dir: „Irgendwann.“ Und das ist wahr.

Schneeflocken

Schneeflocken.

Schneeflocken, die auf deiner Haut zergehen.

Ich sehe dein Gesicht in Mitten von Weiß.

Schneeflocken auf deinen Wimpern.

Und stelle mir das feine Kribbeln vor,

das jetzt sacht deine Sinne schärft.

Und habe Schneeflocken in meinem Herzen.

Und ich stelle mir vor, wie deine Lebendigkeit

den Schnee zum Schmelzen bringt.

Auf dass er feine Linien auf deine Arme male.

Winter

Winter

Kurze Tage flüchten stets,
vor langen Schatten dunkler Nächte.
Doch manch ein Sonnenstrahl die müden Pflanzen in Versuchung brächte.
Spricht leis‘ von jenen Frühlingstagen,
wenn sie wieder Blüten tragen.
Und ist doch flüchtig wie die Zeit,
ein Trotzen der Vergänglichkeit.

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laura.urdl@gmail.com